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Was ist Venenvisualisierungstechnologie und wie unterstützt sie periphere intravenöse Eingriffe?

Was ist Venenvisualisierungstechnologie und wie unterstützt sie periphere intravenöse Eingriffe?

Aug 28, 2026

Ein ausgewogener Überblick über die Gefäßbildgebung mittels Nahinfrarot: Prinzipien, klinische Überlegungen und technologische Entwicklung

1. Klinischer Hintergrund und Überblick

Der klinische Kontext: Die Anlage eines peripheren intravenösen (i.v.) Zugangs ist einer der häufigsten invasiven Eingriffe im Gesundheitswesen und wird routinemäßig auf Stationen, in Notaufnahmen, Kinderstationen und Operationssälen durchgeführt. In der klinischen Standardpraxis lokalisieren Ärzte die Venen primär durch visuelle Inspektion und manuelle Palpation. Für viele Patienten sind diese traditionellen Techniken ausreichend. Die Anlage eines Venenzugangs kann jedoch bei Patienten mit schwierigem Venenzugang (DVA) zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll sein – darunter junge Kinder mit kleinen, unauffälligen Gefäßen, ältere Patienten mit fragilen oder rollenden Venen, Personen mit höherem Body-Mass-Index (BMI), bei denen die Venen tiefer unter dem subkutanen Fettgewebe liegen, und Patienten mit chronischen Erkrankungen, die häufige Punktionen erfordern.

Nahinfrarot-(NIR)-Venenvisualisierungstechnologie – oft bereitgestellt über Projektionsvenenfinder (PVF)-GeräteDieses optische Hilfsmittel wurde entwickelt, um medizinisches Fachpersonal bei Gefäßzugangsverfahren zu unterstützen. Durch die Nutzung des optischen Absorptionskontrasts von Hämoglobin im Nahinfrarotbereich erfassen die Geräte subkutane Gefäßmuster und projizieren eine Echtzeit-Karte direkt auf die Hautoberfläche. Diese visuelle Echtzeit-Anleitung hilft Ärzten, oberflächliche Venenverläufe und -verzweigungen vor der Punktion zu identifizieren und trägt so zu einem effizienteren Eingriff und einer fundierten klinischen Entscheidungsfindung bei.

Advanced Medical Vein Detection Device

2. Wichtigste Erkenntnisse

· Optisches Prinzip: Nahinfrarot (NIR) Venenfinder nutzen die unterschiedliche Lichtabsorption von Hämoglobin, um Echtzeitkarten von oberflächlichen Venen direkt auf die Haut zu projizieren.

· Primärer klinischer Nutzen: Die Technologie ist so konzipiert, dass sie Klinikern hilft, geeignete oberflächliche Punktionsstellen zu finden, was insbesondere bei Patientengruppen mit schwierigem Zugang (z. B. Kinder, bariatrische Patienten und geriatrische Patienten) von Vorteil ist.

· Unterstützende Rolle: Ein Venenfinder liefert eine zweidimensionale oberflächliche Gefäßdarstellung; er ersetzt jedoch nicht die manuelle Palpation, die Verwendung einer Blutsperre, die Beurteilung des Gefäßzustands oder das professionelle klinische Urteilsvermögen.

· Kontextuelle Belege: Einzelne veröffentlichte klinische Studien belegen Verbesserungen der Eingriffszeit und des Erfolgs beim ersten Versuch für die untersuchten Modelle (z. B. AccuVein®, VeinViewer®); die Ergebnisse hängen jedoch von den Studienprotokollen und den klinischen Bedingungen ab und sollten nicht als einheitliche Garantien für alle Geräte verallgemeinert werden.

· Betriebssicherheitsprofil: Medizinische Venenfinder mit Projektion nutzen schwache, nichtionisierende Lichtquellen, die so konstruiert sind, dass sie den geltenden photobiologischen und Lasersicherheitsstandards entsprechen.

3. Technologische Prinzipien und Systemarchitektur

Die Venenvisualisierung mittels Nahinfrarot basiert auf den Prinzipien der optischen Spektroskopie und der Wechselwirkung von Licht und Gewebe. Menschliche Haut, Fettgewebe und Muskeln streuen Nahinfrarotlicht im optischen Fenster von 700 nm bis 1000 nm, während intravaskuläres Hämoglobin (sowohl desoxygenierte als auch oxygenierte Formen) Absorptionsmaxima innerhalb dieses Spektrums aufweist (insbesondere um 758 nm und 929 nm).

Der schrittweise Bildgebungsprozess

· 1. Lichtemission: Das Gerät sendet Nahinfrarotlicht (üblicherweise im Bereich von 750–850 nm oder 850–940 nm) auf die anvisierte anatomische Stelle aus und dringt dabei bis zu mehreren Millimetern tief in oberflächliche Gewebeschichten ein.

· 2. Hämoglobinabsorption: Das in den subkutanen Venen fließende Hämoglobin absorbiert das NIR-Licht stärker als das umgebende Hautgewebe, wodurch ein natürliches optisches Kontrastmuster entsteht.

· 3. Signalerfassung und -verarbeitung: Ein integrierter optischer Sensor mit spezieller Filterung erfasst die reflektierten NIR-Signale, und interne digitale Bildverarbeitungsalgorithmen filtern Rauschen und verbessern den Gefäßkontrast.

· 4. Echtzeit-Hautprojektion: Eine Projektionsengine projiziert die verarbeitete Gefäßkontur in sichtbarem Licht (z. B. grünem Licht oder benutzerdefinierten Kontrastmodi) mit minimaler räumlicher Verzerrung zurück auf die exakte anatomische Stelle auf der Hautoberfläche.

Vergleich der vaskulären Zugangsmodalitäten am Krankenbett

Um das geeignete Instrument auszuwählen, berücksichtigen Kliniker die anatomischen Anforderungen und den operativen Umfang jeder patientennahen Methode:

Modalität

Primärer klinischer Umfang

Wichtigste klinische Vorteile

Projektionsvenenfinder (NIR)

Beurteilung oberflächlicher peripherer Venen und routinemäßiger peripherer Gefäßzugang

Projiziert Informationen über oberflächliche Venen in Echtzeit auf die Hautoberfläche und hilft so, Gefäßverläufe und -verzweigungen sichtbar zu machen; berührungslose Bildgebung

Doppler-Ultraschallführung

Beurteilung tiefer Gefäße, Platzierung von PICC- und Midline-Kathetern sowie andere Gefäßzugangsverfahren, die Tiefeninformationen erfordern.

Liefert Querschnittsbilder der Gefäße und Informationen über Gefäßtiefe und -durchmesser und unterstützt gleichzeitig die Echtzeit-Visualisierung der relativen Position von Nadel und Gefäß.

Kaltlicht-Transillumination

Darstellung oberflächlicher Gefäße bei Neugeborenen und Säuglingen

Nutzt lokale Durchleuchtung, um die Lage oberflächlicher Gefäße sichtbar zu machen.

Traditionelle visuelle und palpatorische Verfahren

Routinemäßige Beurteilung der peripheren Venen und Venenpunktion

Nutzt Sichtprüfung und Palpation zur Beurteilung von Gefäßlage und -zustand ohne zusätzliche Bildgebungsgeräte

4. Unterstützung der klinischen Entscheidungsfindung, nicht deren Ersatz

In der klinischen Gefäßpunktion werden Venenvisualisierungsgeräte ausschließlich als unterstützende Entscheidungshilfen eingestuft. Sie liefern visuelle Zusatzinformationen zur Verbesserung der Eingriffsplanung, ersetzen aber nicht die standardmäßige klinische Untersuchung, die taktile Beurteilung oder die korrekte Venenpunktionstechnik.

Leitlinien der Berufsstandards

Die Standards of Practice der Infusion Nurses Society (INS) bieten Leitlinien zu assistiven Visualisierungstechnologien und empfehlen Klinikern, den Einsatz der Nahinfrarot-Technologie (nIR) in Betracht zu ziehen, um die Identifizierung geeigneter oberflächlicher peripherer Venenstellen zu erleichtern und die Eingriffszeit zu verkürzen, insbesondere bei Patienten mit schwierigem Venenzugang oder nach erfolglosen ersten Versuchen.

Anatomische Fähigkeiten und inhärente Gerätegrenzen

· Was das Gerät anzeigt: Zeigt den Verlauf der Venen, Verzweigungsmuster und Bifurkationen über ein breites oberflächliches Feld an und unterstützt so die Kliniker bei der Identifizierung geeigneter Kanülierungssegmente und der Vermeidung von Venenklappen.

· Tiefen- und Lichtstrombeschränkungen: Standardmäßige zweidimensionale Venenfinder liefern keine quantitativen Messwerte für die Gefäßtiefe oder den Lumendurchmesser.

· Gefäßelastizität und -gesundheit: Das projizierte Bild gibt keinen Aufschluss darüber, ob eine Vene sklerotisch, thrombosiert, fragil oder anfällig für das Einrollen oder Kollabieren bei Punktion ist. Die taktile Palpation bleibt unerlässlich, um die Elastizität und den Zustand des Gefäßes zu beurteilen.

· Notwendigkeit eines Tourniquets: Die Visualisierung der Venen ersetzt nicht die physiologische Notwendigkeit einer Venenmanschette zur Stauung und Stabilisierung der Zielgefäße vor dem Einführen der Nadel.

5. Patientengruppen, die von Visualisierungsunterstützung profitieren könnten

Die Venenvisualisierung kann zwar in verschiedenen klinischen Bereichen eingesetzt werden, ihr Nutzen zeigt sich jedoch am deutlichsten bei Patientengruppen mit anatomischen oder physiologischen Zugangsschwierigkeiten:

· Pädiatrische Patienten: Bei Kleinkindern sind die kleinen Blutgefäße häufig durch das Babyspeck verdeckt, was oft mit Bewegungen während des Eingriffs einhergeht. Die Nahinfrarot-Kartierung ermöglicht eine nicht-invasive anatomische Darstellung ohne taktile Beeinträchtigung.

· Geriatrische Patienten: Mit zunehmendem Alter können Hautdicke, Gewebespannung und Gefäßstabilität abnehmen, wodurch Venen anfälliger für Einrollen oder Kollaps werden. Die visuelle Kartierung unterstützt Ärzte bei der Identifizierung stabiler Venenabschnitte und -verzweigungen.

· Patienten mit erhöhtem BMI: Fettgewebe streut sichtbares Licht. Nahinfrarot-Wellenlängen durchdringen die subkutanen Fettschichten und heben oberflächliche Venen hervor, die sich innerhalb der üblichen Kanülierungstiefe befinden.

· Patienten mit chronischen Erkrankungen und Krebserkrankungen: Patienten, die wiederholten Blutentnahmen, Chemotherapie oder Hämodialyse unterzogen werden, leiden häufig unter fortschreitender venöser Vernarbung. Visualisierungstechniken helfen dabei, geeignete oberflächliche Gefäßabschnitte zu identifizieren und den Gefäßerhalt zu unterstützen.

6. Technologische Fortschritte in der Projektionsvenenbildgebung: Die Vivolight-Lösung

Da die Nahinfrarot-Venenvisualisierungstechnologie ständig weiterentwickelt wird, entwickeln die Hersteller medizinischer Geräte kompaktere optische Projektionsmodule, verbesserte Bildverarbeitungsalgorithmen und anpassungsfähige Anzeigemodi, um den unterschiedlichen klinischen Anforderungen gerecht zu werden.

Vivolight ist spezialisiert auf laserbasierte medizinische Bildgebungs- und Projektionstechnologien und entwickelt spezielle Visualisierungslösungen für Gefäßeingriffe. Vivolight V900P Projektions-Venenfinder Das V900P nutzt fortschrittliche Nahinfrarot-Bildgebungstechnologie, um Gefäßkonturen in Echtzeit direkt auf die Hautoberfläche des Patienten zu projizieren. Es wurde für den Einsatz in Bereichen wie Kinderstationen, Notaufnahmen, onkologischen Abteilungen und Allgemeinpraxen entwickelt und bietet benutzerdefinierbare Projektionsmodi (einschließlich Farbanpassung, Kontrastumkehr und Helligkeitsregelung) sowie eine optimierte optische Filterung. Diese Funktionen sind auf unterschiedliche Lichtverhältnisse und verschiedene Hautpigmentierungen der Patienten abgestimmt. Durch die berührungslose anatomische Visualisierung vor dem Einführen der Nadel dient das V900P als praktisches Hilfsmittel am Patientenbett zur Unterstützung klinischer Entscheidungen und der Beurteilung peripherer Venen.

7. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Frage 1: Wie ist das Sicherheitsprofil von Venenfindern mit Nahinfrarotprojektion?

Medizinische Nahinfrarot-Projektionsvenensuchgeräte nutzen optische Wellenlängen niedriger Intensität und ohne ionisierende Wirkung (typischerweise 750–940 nm). Sie arbeiten berührungslos, emittieren keine ionisierende Strahlung und verursachen bei sachgemäßer Anwendung keine thermischen Gewebeschäden. Die Geräte entsprechen den geltenden internationalen Laser- und photobiologischen Sicherheitsstandards (z. B. IEC 60825-1 Klasse 1 und IEC 62471). Aus Sicherheitsgründen sollten Ärzte und Patienten nicht direkt in die optische Projektionsöffnung blicken.

Frage 2: Funktioniert die Venenvisualisierung mittels Nahinfrarot auch bei dunkleren Hauttönen?

Ja. Nahinfrarot-Bildgebung funktioniert bei verschiedenen Hauttönen, da sich die optische Absorptionskurve von Hämoglobin im NIR-Bereich von 750–940 nm deutlich von der des epidermalen Melanins unterscheidet. Während epidermales Melanin sichtbares Licht stark absorbiert, durchdringt Nahinfrarotlicht die Melaninschichten und ermöglicht so die Kontrasterkennung zwischen Blutgefäßen und angrenzendem Gewebe. Moderne Geräte bieten zudem inverse Kontrastmodi und anpassbare Projektionsfarben, um die Sichtbarkeit bei unterschiedlichen Pigmentierungsprofilen weiter zu verbessern.

Frage 3: Kann ein Venenfinder mit Projektionstechnik die Ultraschallführung ersetzen?

Nein. Projektionsvenenfinder und Ultraschallgeräte erfüllen komplementäre klinische Aufgaben. Projektionsvenenfinder ermöglichen eine großflächige, sofortige Kartierung oberflächlicher Gefäße (10 mm), Midline-Katheter, PICC-Linien, zentrale Venenkatheter und quantitative Querschnittsmessungen der Gefäßtiefe und des Lumendurchmessers.

Frage 4: Ersetzt die Verwendung eines Venenfinders die Notwendigkeit von Stauungsmanschetten oder manueller Palpation?

Nein. Ein Venenfinder mit Projektionstechnik visualisiert zwar den Verlauf oberflächlicher Venen und deren Verzweigungen, kann aber weder die Gefäßelastizität noch die Durchgängigkeit des Lumens oder eine interne Sklerose beurteilen. Kliniker müssen daher weiterhin eine Stauungsmanschette anlegen, um die Vene ausreichend zu füllen, und das Gefäß manuell palpieren, um seinen Zustand vor der Punktion zu beurteilen.

8. Quellenangaben und zitierte Literatur

Infusion Nurses Society. (2021). Standards of Practice für die Infusionstherapie, 8. Auflage. Journal of Infusion Nursing, 44(1S), S1-S224.

Demir, D., & Inal, S. (2019). Erhöht die Verwendung eines Venenvisualisierungsgeräts bei der Platzierung peripherer Venenkatheter die Erfolgsrate bei pädiatrischen Patienten? Eine randomisierte kontrollierte Studie. Journal of Pediatric Nursing, 44, e90-e96.

Inal, S., & Demir, D. (2017). Der Einfluss der Verwendung eines Venenfinders auf Schmerzen und den Erfolg beim ersten Versuch bei der peripheren intravenösen Kanülierung bei Kindern: Eine randomisierte kontrollierte Studie. Journal of Emergency Nursing, 43(4), 312-317.

Chapman, LL, Sullivan, B, Pacheco, AL, Draleau, CP & Becker, BM (2011). VeinViewer-gestützte Platzierung intravenöser Katheter in einer pädiatrischen Notaufnahme: Eine randomisierte kontrollierte Studie. Annals of Emergency Medicine, 58(4), S262–S263.

Chiao, F. B., Resta-Flarer, F., Lesser, J., Ng, J., Ganz, A., Pino-Luey, D., ... & Wetherton, A. (2013). Venenvisualisierung: Patientenmerkmale und Wirksamkeit einer neuen Infrarot-Venenfinder-Technologie. British Journal of Anaesthesia, 110(6), 966–971.

Avelar, AFM, Peterlini, MAS und Pedreira, MLG (2010). Gefäßvisualisierungstechnologien für den peripheren intravenösen Zugang bei Kindern: eine systematische Übersicht. Revista Latino-Americana de Enfermagem, 18(6), 1193-1201.

Hess, HA (2010). Ein biomedizinisches Gerät zur Verbesserung des Erfolgs von Gefäßzugängen bei Kindern. Pediatric Nursing, 36(5), 259-263.

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